May 20, 2022

Berührendes Thema im Religionsuntericht-Buch “Durchkreuztes Leben”

REGION – Spätdienst in der Redaktion von osthessen-news – ruhiges vor-sich-hin-arbeiten. Eine Email im Posteingang fällt ins Auge: Ein Pfarrer aus dem Main-Kinzig-Kreis bittet um die Genehmigung von ON, einen Artikel mit der Überschrift ?Tödlicher Unfall – Pkw gegen Baum:…

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REGION – Spätdienst in der Redaktion von osthessen-news – ruhiges vor-sich-hin-arbeiten. Eine Email im Posteingang fällt ins Auge: Ein Pfarrer aus dem Main-Kinzig-Kreis bittet um die Genehmigung von ON, einen Artikel mit der Überschrift ?Tödlicher Unfall – Pkw gegen Baum: Fahrer (24) tot? veröffentlichen zu dürfen. Dazu schreibt er: ?Mit einer 10. Schulklasse mache ich im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichtes ein Projekt über Kreuze am Straßenrand. Daraus soll ein Buch werden, das Straßenkreuze in der Umgebung beschreibt und die Hintergründe aufzeigt. Ziel des Projektes soll sein, einen Beitrag zu einem verantwortungsvolleren Verhalten im Straßenverkehr zu leisten und zu zeigen, was Trauer bedeutet bei einem plötzlichen Tod eines Angehörigen oder Freundes und wie Menschen damit zurechtkommen.?

?Die haben sich ja was vorgenommen?, denke ich. Ein ungewöhnliches Projekt mit hohem Anspruch. Ich rufe Pfarrer Schröder an, um mehr darüber zu erfahren. Wie ist er auf diese Idee gekommen, überfordert er seine 16-jährigen Schüler nicht mit einem solch schweren Thema? Kann das gelingen? Beim Telefonat entsteht der Wunsch, das Projekt mit der Kamera zu begleiten. Pfarrer Schröder ist sofort einverstanden. 
Drehtermin an der B 279 – hier starb Frank
Der erste Drehtermin im Oktober 2011 führt den Kameramann und mich an eine Bundesstraße bei Brachttal. Hier steht eines der besagten Kreuze. Während wir aufbauen, rauschen die Autos knapp an uns vorbei. Plötzlich steht einem der junge Radfahrer, der hier beim Training ums Leben kam, deutlich vor Augen. Ich fühle mich beklommen bei der Vorstellung, gleich seinen Eltern zu begegnen. Auch Larissa und Denise sind spürbar berührt von dem, was das Ehepaar über den schrecklichen Verlust ihres Sohnes, über die spätere Gerichtsverhandlung gegen den reue- und einsichtslosen Raser und die andauernde Trauer erzählen. Vorsichtig und ernsthaft fragen sie nach, behutsam unterstützt von ihrem Religionslehrer.
Ein paar Wochen später treffen wir uns mit einer Schülergruppe auf dem Rasthof Schlüchtern an der A 66: Religionsunterricht in der Autobahnkirche. Hier in der kleinen Kapelle lesen wir die Einträge, die Reisende ins Gästebuch geschrieben haben. Ein anonymes Paar meinte, den zeltähnlichen Raum als Liebesnest zweckentfremden zu müssen ? zwei Wochen später datiert der Eintrag: ?Wir haben es hier schon wieder getan!? Die Schüler kichern bei der Lektüre. Ein Kind hat die Bitte an den lieben Gott hinterlassen. ?Bitte mach, dass meine Eltern sich nicht länger streiten!? Ich sehe das Kind deutlich vor mir, wie es hilflos auf der Rückbank im Auto dem verbalen Kampf ausgeliefert ist… 
Wieder Wochen später mailt mir Pfarrer Schröder stolz, das Buch sei tatsächlich fertig geworden und im Druck. Wir fahren nach Rodenbach in die Adolf-Reichwein-Schule zum letzten Drehtermin. Die Schüler besprechen gerade, wo sie noch Werbung für das fertige Produkt machen können. Alle sind stolz auf ihren Beitrag und darüber, gemeinsam etwas ?zum Anfassen? auf die Beine gestellt zu haben. Während sie über ihre Erfahrungen und den besonderen Lerneffekt bei diesem Thema berichten, wirken sie ernst und besonnen ? deutlich älter als 16 ? fast erwachsen. Was Paul erzählt, geht mir unter die Haut ? er hat etwas verstanden, was die meisten Menschen nie oder viel zu spät begreifen. Sehen Sie selbst…
Das Buch mit dem Titel Durchkreuztes Leben – Gedenkstätten am Straßenrand ist in jeder Buchhandlung für 5,80 Euro unter der ISBN-Nr. 978-3-8423-6790-6 zu erhalten. Veröffentlicht am 24.02.2012

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